Surströmming, Elche und Polarkreis

Wir haben wieder einmal super in unserem Bus geschlafen. Leichter Regen hat gegen 1:00 Uhr unsere gemütliche Runde bei Lagerfeuer aufgelöst. Peter, Fabian und Paul sind in ihr Zelt gekrochen und wir haben es uns im trockenen Bus gemütlich gemacht. Der Regen prasselte leicht auf unser Blechdach während ich noch den Beitrag für gestern fertiggeschrieben und hochgeladen habe. Unter den BSC-Teilnehmern sind Busschläfer sowas wie Schattenparker oder Warmduscher. Wir fühlen uns nach wie vor gut mit unserer Wahl des Rallyefahrzeugs.

Heute haben wir wieder mal ein gutes Stück zu fahren. Wir wollen von Strömsund über Vilhelmna, Storuman nach Mo i Rana in Norwegen. Von dort geht es weiter auf der E6 nach Bodo, wo unsere Fähre morgen früh nach Moskenes auf den Lofoten losfährt. Dank Fabian haben wir überhaupt eine Fähre und dies zeigt mal wieder, wie wichtig es ist, sich während der Tour mit anderen Teams auszutauschen. In unserer Naivität wären wir einfach an das Terminal hingefahren anstatt zu reservieren. Die Fähren zu christlichen Zeiten waren schon ausgebucht, so dass wir nur noch die 6:00 Uhr Fähre buchen konnten.

Vor der Abfahrt in Strömsund gehen wir in einen Supermarkt, um unseren „Mitfahrer“ für die Aufgabe des Tages zu kaufen. Thorsten hat uns ja bereits von der legendären Surströmming Challenge erzählt, so dass wir einigermaßen vorbereitet waren. Am Kühlregal stehen wir vor einer reichlichen Auswahl an Marken in bunten Dosen. Während wir noch unentschlossen unsere Auswahl versuchen zu treffen, spricht uns ein Schwede an, hält sich vielsagend die Nase zu und vermittelt uns eindeutig, dass er von Surströmming nicht viel hält. Wir wählen die rote und günstigste Dose aus und bezahlen. Auf dem Parkplatz fällt uns ein, dass wir die Gummihandschuhe vergessen haben. Also noch mal in den Supermarkt, Gummihandschuhe gekauft und los geht es.

Unsere Challenge: wir sollen mit einer offenen Dose Fisch (Surströmming) 200 km fahren. Klingt easy, aber für was dann die Gummihandschuhe? Um jegliche Berührung mit dem Fisch zu vermeiden. Warum? Weil er fürchterlich, nein grauenhaft stinkt. Und nun zu unserem Plan für die Challenge: wir öffnen die Dose unter Wasser, halten sie kurz ins Auto an den Tacho, Foto machen, verpacken die Stinkbombe in viel Plastik, packen sie nach 200 km unter Wasser wieder aus, kurz an den Tacho halten, Foto machen, verpacken und ab in die Tonne.

Seid froh, dass ihr das nicht riechen könnt!

Nach dem Foto machen wir alles wie geplant, packen die Dose in eine Tüte und legen sie hinten in den Bus. Wir haben beide immer noch den Gestank in der Nase, meinen aber, dass es schlimmer wird. Ein kurzer Check im Kofferraum bestätigt, dass der Surströmming selbst aus der verschlossenen Tüte heraus stinkt. Jogi schlägt vor, ihn unter der Motorhaube bei der Batterie zu verstauen. Gesagt, getan und weiter geht die Reise und es wird tatsächlich besser im Auto. Wir brauchen etwas länger als 200 km, um wieder eine geeignete Stelle zu finden, den Fisch unter Wasser auszupacken und das Beweisfoto zu machen… Wir sind heilfroh, als wir einen Rastplatz mit Mülleimer gefunden haben, um unseren ungeliebten „Mitfahrer“ wieder los zu werden.

Obwohl wir schon aufgrund der Challenge etwas Zeit verloren haben, entschließen wir uns, die norwegische Grenze nicht auf der E12 zu überqueren. Stattdessen, machen wir einen kleinen Umweg und nehmen kleinere Straßen, die mehr Potential für Naturerlebnisse haben. So soll es sein, dass wir auf diesem Umweg unsere ersten Elche sehen, durch Schneelandschaften mit immer noch vereisten Seen fahren und einen wunderschönen Regenbogen erleben dürfen.

Unser Zeitplan ist nun endgültig aus dem Ruder gelaufen. Wir kommen um 20:30 Uhr in Mo i Rana an. Vor uns liegen noch ca. 250 km bis nach Bodo und eigentlich wollten wir dort auf den Campingplatz, um nochmal vor dem Wild Camping auf den Lofoten zu duschen. Selbst ohne Halt sind wir noch mindestens 3 bis 4 Stunden unterwegs und den Polarkreis überqueren wir auf dem Teilstück auch noch. Selbst wenn wir auf dem Campingplatz noch einchecken könnten, lohnt sich das nicht mehr. Also beschließen wir mal was Warmes im Warmen zu uns zu nehmen und essen eine wirklich gute (Amercian Style) Pizza. Danach machen wir uns gestärkt wieder auf den Weg.

Die Route führt auf einer kurvenreichen Strecke entlang eines reisenden Flusses immer weiter hinauf ins Gebirge. Mit jedem Kilometer werden die Wiesen brauner und die Bäume kahler. Als wir oben angekommen sind, befinden wir uns inmitten der Schneeschmelze – Die Wiesen sind braun, an den wenigen Bäumen sprießen die ersten Blätter und überall fließt Wasser ab. An dieser Stelle werden wir auch den Polarkreis überfahren und wir biegen auf den Parkplatz ein, wo gefühlt noch 20 andere Rallye-Teams Pause machen. Leider ist die Gaststätte schon zu, denn wir hätten gern noch einen Kaffee getrunken. Komisch, es ist doch noch hell…

Entlang eines anderen Flusses geht es auf der anderen Seite des Gebirgskamms wieder ins Tal. Es ist mittlerweile kurz nach 00:00 Uhr und wir stehen mal wieder an einer der zahlreichen Baustellenampeln. Eine freundliche Dame kommt zu unserem Auto und verkündet uns, dass im Tunnel vor uns nun bis 1:00 Uhr gearbeitet werden müsse und wir leider warten müssen – no choice. So kann ich ohne dass es mir wegen der zahlreichen Kurven schlecht wird, diesen Beitrag zu Ende schreiben und Jogi kann ein kleines Nickerchen machen. Er ist ja auch den Löwenanteil der Strecke heute gefahren und hat in Todesmut den Surströmming geöffnet. Das hat er sich verdient.

Wie und ob wir noch nach Bodo gekommen sind, erfahrt ihr morgen. God natt!

5 thoughts on “Surströmming, Elche und Polarkreis

  • Das mit dem stinkenden Fisch habt ihr ja super gelöst…
    Wir Nußbacher Mädels wünsche euch einen tollen Tag und heute Abend eine geniale Party im Kreise aller Teams.

  • Konnts mir auch nicht verkneifen gleich heute morgen, noch bevor ich in den Garten zu den durstigen Pflanzen gehe euren Beitrag zu lesen. Ich konnte mir das so richtig vorstellen mit dem Stinkefisch, habt ihr aber gut gemacht… raffiniert 🙂
    Weiterhin gute Fahrt !

  • Der Stinkefisch erinnert mich schwer an die Durian, die wir mal in Malaysia im Auto (jedoch nicht unser eigenes) transportierten; kannst du dich noch erinnern Wum? Auch ich lese mit Begeisterung jeden Morgen euren Bericht. Heute bin ich besonders neidisch, da ich super gerne mal die Lofoten bereisen würde. Weiterhin eine gute Fahrt und eine tolle Party heute Abend.

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