Mittsommer auf den Lofoten

Wir sind gegen 2:00 Uhr heute Morgen am Fährhafen von Bodo angekommen. Die Wartereihen am Terminal sehen beinahe aus, als wäre das Schiff exklusiv für Teilnehmer der BSC reserviert. Nur sehr vereinzelt finden sich „zivile“ Fahrzeuge zwischen den Rallyefahrzeugen – eigentlich verständlich, denn normale Menschen fahren nicht nachts um 3.00 Uhr auf die Lofoten. Die Party ist bereits im vollen Gange als wir in eine der Wartereihen rollen und wir bekommen sofort eine Dose Bier durchs Fenster gereicht… Ich spreche den durch die Reihen laufenden Mitarbeiter der Fährgesellschaft an und versuche ihn davon zu überzeugen unser reserviertes Ticket für die 6:00 Uhr Fähre in eines für die 3:15 Fähre umzutauschen. Das funktioniert leider nicht, aber er meint, dass wir noch eine Chance hätten, wenn alle anderen wartenden Fahrzeuge schon auf der Fähre sind. Ehrlich gesagt rechnen wir nicht mehr damit, dass es klappt doch wir bekommen noch einen der letzten Plätze auf dem Schiff.

Wir finden einen Platz in den zahlreichen Sitzreihen auf dem Passagierdeck und haben fest vor, die kommenden dreieinhalb Stunden zu schlafen, obwohl die Sonne draußen gerade wieder aufgeht… Die Fährfahrt an sich verläuft sehr ruhig und wir haben so gut wie keinen Seegang. Dennoch wird unsere Nachtruhe durch die unablässigen Würgegeräusche eines Mitreisenden gestört. Selbst wenn die Ursache seiner Übelkeit nicht im Seegang zu suchen ist, kann er einem leidtun. Im Moment waren wir aber einfach nur genervt, weil er uns regelmäßig aus unserem Halbschlaf geweckt hat und dies unserer Regeneration nicht gerade dienlich war…

So rollen wir einigermaßen schlaftrunken von der Fähre und fahren einfach dem Tross der anderen Rallyefahrer hinterher. Kurz nach dem Fährhafen kommen wir an kleinen Fischerdörfern vorbei und wundern uns über große Holzgestelle auf denen Fisch zu hängen scheint. Mir war bekannt, dass in Norwegen Stockfisch (Kabeljau) gesalzen und getrocknet wird aber als wir anhalten und ein Bild aus der Nähe machen stellen wir fest, dass es sich um Fischköpfe handelt.

Fischköpfe für Nigeria

Im Internet habe ich nachgelesen, dass es sich um die Köpfe des Kabeljaus handelt, der zu Stockfisch verarbeitet wurde. Unsere erste Vermutung war, dass die Köpfe zu Fischmehl verarbeitet werden. Die Köpfe werden allerdings für den nigerianischen Markt getrocknet, wo sie als Delikatesse in einer traditionellen Fischsuppe verarbeitet werden.

Bei unserer Weiterfahrt sind nach jeder Kurve einfach nur begeistert, was sich an landschaftlich schönen Bildern auftut. Das wechselhafte Wetter tut sein Übriges dazu und bietet uns immer wieder unglaublich schöne Farben und Kontraste sowie diesen wunderschönen Regenbogen.

Da wir die letzten Nächte wild gecampt oder gar nicht geschlafen haben und die nächste Nacht mit all den anderen Rallyeteilnehmern auf einem Gelände auf der Insel Gimsoya gefeiert wird, möchten wir unbedingt nochmal irgendwo duschen. Unser Plan ist es auf einem Campingplatz zu fragen, ob wir dort duschen dürfen. Beim ersten Platz bekommen wir eine Absage aber die Dame ist sehr freundlich und erklärt uns dass der Campingplatz in Ramberg einen Daypass anbietet. Dankbar für den Tip fahren wir weiter nach Ramberg und tatsächlich können wir dort duschen, allerdings erst ab 10:00 Uhr wenn die Übernachtungsgäste fertig sind. Wir kaufen uns noch zwei Kaffee aus der Jura-Maschine und beziehen unseren Platz in einer ruhigen Ecke des Campingplatzes mit einer wunderschönen Aussicht aufs Meer und die umgebende Bergkulisse.

Auf dem Weg zur Partyzone kaufen wir noch etwas Lachs zum Grillen ein und kommen sehr entspannt gegen 13:30 an der Location an. Es sind zwei große Wiesen mit direktem Zugang zum Strand, die aktuell zu etwa einem Drittel belegt sind. Wir sind also noch zeitig da und Fabian, Paul und Peter vom Team 89 haben uns einen Platz neben sich aufgehoben. Da der Wind ziemlich stark und kalt bläst, stellen wir und unsere Nachbarn vom Team 111 die VW-Busse etwas quer zum Wind und haben so einen schönen, etwas vom Wind geschützten Bereich hinter den Bussen. Wir richten uns ein, grillen den Fisch und genießen den Nachmittag ohne den Druck noch viele Kilometer zurückzulegen zu müssen. Wir freuen uns auf die Party und hoffen, dass es uns im Laufe des Abends noch etwas wärmer wird…

Einige Mitstreiter wagen sich ins eisige Meer. Doch auch da sind sich Jogi und ich sehr einig, dass wir das nicht brauchen. Wir sind halt Busschläfer…

3 thoughts on “Mittsommer auf den Lofoten

  • Moin Jungs, wieder mal ein toller Bericht. Ich bin in Gedanken bei euch und kann eure Stimmung gut nachvollziehen. Genießt die nicht untergehende Sonne (die hoffentlich für euch scheint), das Lagerfeuer und die Verrückten, die ins eiskalte Wasser springen (brrrr, zitter, bibber, frier). Auf der Tracking-Karte sieht es toll aus, da fast alle Teams die Party-Location erreicht haben. Viel Spaß und eine gute Weiterfahrt zum Nordkapp. Übrigens waren auf eurem Bild keine Elche sondern Rentiere, also, haltet weiter Ausschau :-).Ganz liebe Grüße von Thorsten.

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