Rentiere, die Elche des kleinen Mannes

Heute verlassen wir die Lofoten schon wieder, obwohl es uns hier sehr gut gefallen hat. Die Location für die Mittsommer-Party war sehr schön direkt am weißen Sandstrand gelegen, doch der Wind blies sehr kräftig und kalt. Einzige Zuflucht bot ein großes Tipi-Zelt mit offenem Feuer, aber leider zog der Rauch nicht wirklich ab und man hatte somit die Wahl zwischen kalt und windig oder warm und rauchig. Diesen Wechsel machten wir ein paarmal mit, grillten unser schwedisches Rindersteak auf einem der Kollektiv-Grills und machten noch Bekanntschaft mit dem ein oder anderen Team, das wir noch nicht kannten. Wir trafen sogar einen Teilnehmer aus Ottenhöfen, der von unserer Teilnahme aus der Zeitung erfahren hatte. So klein ist die Welt.

Die Nacht im Bus war die kälteste, die wir auf der Tour bisher hatten. Konnte man in Schweden den Schlafsack noch als Decke nutzen, mussten wir uns auf den Lofoten ordentlich in den Sack einpacken. Da wir nicht allzu spät in die Koje gingen, sind wir recht zeitig aufgewacht – es war ja schon hell 🙂 Ohne Kaffee und Frühstück haben wir uns auf den Weg gemacht und beschlossen, dass wir uns in Solvær ein Café zum Aufwärmen suchen. Auf der kurvenreichen und bergigen Strecke wird Maschine (unser T4) recht schnell warm und wir tauen langsam wieder auf. In Solvær finden wir beim Hafen eine Bäckerei und parken Maschine um die Ecke. Neben uns parkt ein Norweger ein und schon beim Aussteigen hat er den Aufkleber mit der Route unserer Tour bemerkt. Er spricht uns an und meint, dass er so etwas Ähnliches vor ein paar Jahren auch gemacht hat. Ohne Russland aber dennoch einmal um die Ostsee innerhalb von 5 Wochen. Als wir ihm erzählen, dass wir in 16 Tagen fahren lächelt er mit einer Mischung aus Anerkennung und Mitleid. Er fragt noch wo wir hinwollen und empfiehlt uns die gleiche Bäckerei, die wir auch schon entdeckt hatten. Was für die Schweden der Kanelbuller ist, ist für die Norweger der Kanelknoter. Ein Hefeteigknoten mit Zimt. Die Dinger sind so lecker, dass wir uns noch zwei einpacken lassen und weiter geht die Fahrt mit etwas sehr Leckerem im Bauch und im Gepäck.

Von Solvær aus geht es auf der Hauptinsel Austvagoya Richtung Norden. Die Straße führt an zahlreichen Seen und Fjords vorbei und wir halten immer wieder an, um Fotos von der atemberaubenden Natur zu machen. Der Wechsel von Wolken und Sonnen lässt die Umgebung in unterschiedlichen Farben und Schattierungen erstrahlen und wo die Sonne hin scheint, leuchtet uns kräftiges Grün entgegen.

Wir sind schon etwas traurig, dass wir die Lofoten schon wieder verlassen müssen. Gerne hätten wir noch die eine oder andere der 80 Inseln angesehen. Dass man nicht flexibel entscheiden kann länger zu bleiben, wenn es einem gefällt ist sicherlich der Nachteil wenn man so eine Tour als Rallye fährt. Dafür gibt es immer wieder spontane und spannende Begegnungen mit anderen Teams unterwegs, die einem das gute Gefühl geben, dass man nicht alleine so irre ist, so etwas zu machen.

Auf dem weiteren Weg halten wir an einer Aussichtsplattform und steigen die Treppen nach oben. Es bietet sich ein traumhafter Blick nach beiden Seiten auf das Austnesfjord. Oben spricht uns eine Dame an, ob sie ein Foto von uns beiden machen soll. Wir erfahren, dass sie aus Tour in Frankreich kommt und mit ihrem Mann schon mehrere Wochen in Norwegen unterwegs ist. Auch sie meint, dass das Wetter ungewöhnlich kalt für die Jahreszeit sei.

Wir verlassen die Lofoten und kommen auf die Insel Hinnoya, eine der größten Inseln Norwegens. Unser Weg führt uns entlang der E10 an vielen kleineren Dörfern vorbei, größere Städte haben wir keine auf der Route. Bei Sandtorg überqueren wir eine sehr hohe Brücke und sind wieder auf dem norwegischen Festland.

Nach der Brücke verlassen wir die E10 und nehmen eine kleinere Straße am Meer entlang anstatt der Hauptverkehrsroute durch das Landesinnere zu folgen. Es folgt ein längerer Abschnitt durch die Berge und wir kommen wieder in Höhen, wo die Natur gerade beginnt zu sprießen und die letzten zugefrorenen Seen noch auftauen müssen. Wir halten an einer kleinen Parkbucht mit einem schönen Blick und parken Maschine, so dass wir im Windschatten in der Sonne sehr angenehm sitzen können.

Wie so häufig hält ein Auto hinter uns. Es ist ein Pärchen aus Augsburg, die schon viele andere Teams getroffen haben. Die beiden wollen auch in den nächsten zwei Tagen am Nordkapp sein und dann mit der Fähre von Helsinki zurück. Diese oder zum Beispiel die Begegnung mit mehreren russischen Urlaubern gemeinsam mit Team 144. Wolfgang spricht russisch und erklärt was wir vorhaben. Zum Abschied bekommt er von der russischen Parkbuchtenbekanntschaft eine Tafel Schokolade geschenkt. Wenn man mit einem „normalen“ Auto unterwegs ist, hat man sicherlich nicht so viele Anknüpfungspunkte für Gespräche. Auch dies macht diese Rallye so besonders…

Wir entschließen uns, nicht nach Tromso zu fahren sondern gleich in Richtung Alta. So haben wir es morgen nicht mehr so weit zum Nordkapp. Dafür wählen wir wieder eine kleinere Straße auf der anderen Seite des Fjords. Am Ende der Straße müssen wir mit der Fähre übersetzen und treffen erneut einige andere Teams. Es gibt noch so viele, die man noch nie getroffen hat…

Unseren Platz haben wir am Bufjord neben einer einsamen Fischerhütte gefunden. Mittlerweile hat es auch keinen Wind mehr und wir sitzen noch neben unserem Grill in dem die fast schon abgebrannte Kohle noch etwas Wärme abgibt. Bei der Suche einer geeigneten Stelle sind wir erneut wilden Tieren begegnet, die wir vorgestern noch für Elche gehalten haben. Thorsten, ein erfahrener Rallyefahrer hat unsere Elche jedoch eindeutig als Rentiere identifiziert und so wissen wir heute, dass wir erneut einer Herde Rentiere begegnet sind.

Ob sie alle Rudolph heißen, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass wir verdammtes Glück haben, all dies erleben zu dürfen.

2 thoughts on “Rentiere, die Elche des kleinen Mannes

  • So heute muss ich jetzt aber auch mal die Fotos loben , die Texte hab ich ja schon 🙂
    Ihr gebt euch echt Mühe !! Weiter so ! Wir haben hier in Renchen am Wochenende Stadtfest, es ist heiß alle schwitzen… Auftritt Bühne, Kukuk Stand und Schmuckverkauf auch für Ghana…..du kennst das ja noch Wum als eure Kids dabei waren… also ich werde die nächsten Tage wohl eher nicht mit euch auf die Reise gehen, lese aber nach ….
    Gute Fahrt !

    • Das ist schon okay. Das Schöne am Netz ist: was drin ist bekommt man nicht mehr raus… Euch ein schönes Stadtfest und wir freuen uns von dir nach dem Wochenende wieder zu hören.

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