Kontraste

Gestern Abend sind wir erst gegen 22:00 Uhr in St. Petersburg aufgebrochen. Eigentlich wollen wir uns eine Stelle zum wilden Campen suchen, doch es dauert schon recht lange bis wir den dicht besiedelten Großraum von St. Petersburg verlassen haben. Wir wollen um ca. 22:45 Uhr noch etwas einkaufen und steuern einen der Supermärkte an, die bis spät in die Nacht geöffnet haben. Wir lernen jedoch, dass ab 22:00 Uhr kein Alkohol mehr verkauft wird und so bringen wir unsere sorgfältig anhand von Farbe, Form und Etiketten ausgewählten Biersorten wieder zurück ins Regal…

Die erste Stelle, die wir versuchen anzufahren ist an einem See gelegen. Leider ist die Zufahrt durch eine Schranke versperrt und wir fahren wieder zurück zur Hauptstraße und die Suche geht weiter. Es ist mittlerweile schon weit nach 23:00 Uhr und Peter, Fabian und Paul haben eigentlich keine Lust mehr einen Platz zu suchen und das Zelt aufzubauen. Sie beschließen nach einem Hotel zu suchen und wir überlegen uns, ob wir nicht einfach neben dem Hotel im Bus schlafen. Nach mehreren Anläufen finden die Drei ein Hotel und wir beschließen, noch ein Stück weiter zu fahren. Zurück auf der E20 stellen wir fest, dass es nur noch wenige Kilometer bis zur Grenze sind. Wir wissen jedoch nicht, ob die Grenze die ganze Nacht geöffnet hat und beschließen in Ivangorod, der Grenzstadt in Russland noch ein paar Stunden zu schlafen und dann früh nach Estland rüberzufahren. Um 2:00 Uhr parken wir am Rande der Stadt auf einem leeren Parkplatz und haben schon ein etwas mulmiges Gefühl, alleine in Russland auf einem Parkplatz… Um 5:00 Uhr wache ich auf, linse aus dem Bus und bemerke eine Person, die auf dem Parkplatz zu warten scheint. Erst jetzt fallen mir die Buchten auf dem Parkplatz auf und ich stelle fest, dass wir auf dem Busbahnhof von Ivangorod genächtigt haben. Bis 6:00 Uhr fährt das ein oder andere Auto auf den Platz und Jogi wacht auch auf. Wir beschließen, möglichste schnell nach Estland „rüberzumachen“.

Am Zoll stehen die Lastwagen Schlange. Wir fahren an ihnen vorbei und eine russische Zollbeamtin kontrolliert unsere Pässe. Weiter geht die Fahrt im Schritttempo bis zu einem überdachten Platz mit mehreren Spuren und Häuschen. Wir wählen jene mit der grünen Ampel und „Nothing to declare“, fahren ganz vor und steigen aus. Die Rollläden der Häuschen sind auf der Seite unserer Spur alle unten und aus einer Hütte hinter kommt plötzlich ein Zöllner und zeigt uns an wieder zurück zu seinem Häuschen zu fahren. Er kontrolliert nur die Fahrzeugpapiere und Ausweis des Fahrers und stempelt das Formular von der Einreise ab. Wir fahren an das nächste Häuschen und dort werden die Ausweise kontrolliert. Ein zweiter Zollbeamter schaut mit mir in den Bus. Er macht sich nicht mal die Mühe, in eine der Boxen oder in alle unserer Aufbewarungsöffnungen unter der Matratze zu sehen. Kurz schaut er sich noch den Aufkleber unserer Route an, lächelt und wir dürfen weiter.

Am estnischen Zoll macht das ganze Prozedere eine Dame und sie will nur einmal kurz in den Kofferraum sehen und wir sind durch. EU du hast uns wieder… zumindest für ein paar Tage J

Irgendwie fühlt es sich „heimischer“ an als in Russland obwohl wir beide noch nie in Estland waren. Vielleicht ist es auch die wärmende Sonne oder die blühenden und saftig grünen Sommerwiesen, die uns eine gewisse Erleichterung empfinden lassen. Obwohl uns St. Petersburg super gefallen hat, fühlen wir uns in Estland auf Anhieb wohler… Beim ersten McDonalds holen wir uns einen Kaffee und stellen uns an einer Nebenstraße auf den Grünstreifen. Wir genießen den Blick auf die im Wind wogenden Wiesen, trinken unseren Kaffee und überlegen was wir heute eigentlich tun möchten. Zur Party-Location sind es nur etwa 150 km und wir haben praktisch den ganzen Tag Zeit. Nach etwas Blättern im Reiseführer und Studieren der Karte haben wir einen Plan: Wir schauen uns auf dem Weg einen Aussichtspunkt am Meer an, fahren weiter nach Rakvere zum Frühstücken und fahren anschließend im Laheema Nationalpark am Meer bis zur Party-Location in Uuri

Der Aussichtspunkt am Meer ist leider – oder vielleicht zum Glück – geschlossen. Es war einmal ein Skywalk zu einem Wasserfall, doch die Konstruktion sieht nicht sonderlich vertrauenserweckend aus. Da wir in Russland recht spontan aufgebrochen sind, holen wir die Morgentoilette auf dem Parkplatz nach. Auf der anderen Straßenseite ist ein Hostel mit einem Café und von dort kommen zwei Deutsche rüber zu uns. Es stellt sich heraus, dass Thomas und Walter ebenfalls die BSC fahren und in dem Hostel gegenüber übernachtet haben. Wir berichten über unsere Russlanderfahrungen und den beiden ging es ähnlich in Bezug auf das Gefühl nicht mehr in Russland zu sein…

In Rakvere angekommen, suchen wir zuerst ein Café. Das im Reiseführer angepriesene Art Café macht erst eine Stunde später auf und so schauen wir uns den Ort etwas näher an.

Wir besuchen die Trinity Church, die im 15. Jahrhundert erstmals erbaut und in den kommenden Jahrhunderten zweimal komplett zerstört und neu erbaut. Besonders ist die Innenarchitektur der Empore mit zwei Ebenen auf beiden Seiten des Hauptschiffes.

Gegen 11:00 Uhr gehen wir zum Art Café und sind begeistert vom Innenhof und wählen unseren persönlichen Platz an der Sonne.

An diesem Platz sind so wunderschön die Kontraste in Estland zu erkennen: historische Gebäude und Gemäuer, schön angelegter Innenhof und im Hintergrund der Plattenbau…

Wir fahren weiter in den Laheema National Park und finden eine wunderschöne Stelle am Meer an der wir es uns für ein paar Stunden gemütlich machen.

Um 18:00 Uhr treffen wir bei der Party-Location ein. Die Stelle ist wunderschön im Wald gelegen. Unsere Freunde von Verfassungswidrig treffen etwas nach uns ein. Es gibt Saunas und wunderschöne Stellplätze für unseren Bus. Wir freuen uns auf einen schönen Abend unter ähnlich Irren, wie wir es sind…

3 thoughts on “Kontraste

  • Hallo ihr Ralleyfahrer!
    In dem Café lässt es sich aushalten, da wären wir auch gerne dabei gewesen.
    Euch geht es gut, man sieht es! Wollt ihr überhaupt schon wieder heim oder könntet ihr es noch länger aushalten?
    Lasst es euch weiterhin gut gehen.
    2x Hummel aus Appenweier

    • Hallo Gabi, hallo Bernd,
      da habt ihr recht, der Tagesablauf ist angenehm und wir haben schon eine Routine darin. Es wird uns schwer fallen das aufzugeben. Gerade sind wir auf dem Weg nach Tallinn und wollen die Stadt anschauen.

      Viele herzliche Grüße
      Joachim und Wum

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